Ein Staunen im steinernen Laub

Stuttgarter Nachrichten 17.11.2001

Die letzte Rose, im Raureif erstarrt, neigt sich fast devot, als ob sie den neuen Gast im Garten würdig begrüßen wollte. Am Kran schwebt er ein, von der Last her ist er eigentlich nur eine Lappalie, vom Charakter her aber eine Besonderheit. Entsprechend behutsam trägt der Kran das Gebilde durch die Morgenluft.

In einem Garten am Kräherwald wird ein Brunnenstein mit traditioneller Rokoko-Ornamentik gesetzt. Ranken, Blattwerk, darin ein Frätzchen, nichts Grimmiges, eher ein Gesicht des Erstaunens.

Der Wassertrog steht schon im Kiesbett bereit. Er stammt aus Apulien, ist um die 300 Jahre alt und wurde früher zum Käsemachen benutzt. Das hat sich längst erledigt, nun wächst ihm eine spielerische Aufgabe zu. Er darf künftig mit Wasser spielen. Aus dem Stein wird es ihm zufließen, und die Bewohner des Anwesens freuen sich heute schon auf dieses sanfte Geräusch, das die Sinne belebt und Ruhe verströmt und vielleicht sogar die laute Straße vergessen lässt.

Ein südländischer Garten in Stuttgart.

„Unser Gartenzimmer“, wie die Hausherrin sagt. Freilich ist es ein einladend offener Raum, bewusst geöffnet auch zu den Nachbarn hin, was hier zu Lande durchaus ungewöhnlich ist. Doch das war eine Maßgabe der Familie, als sie die Umgestaltung des hinterm Haus sanft ansteigenden Grundstücks bei den Gartengestaltern der Firma Blattwerk in Auftrag gab. Er sollte „spielerisch sein, zum Spaziergang einladen und zu Entdeckungen“ und außerdem die nachbarlichen Beziehungen nicht begrenzen. Genauso wurde er nun. „Die Kinder können sich völlig ungezwungen besuchen.“ Wie die Katzen, die sich eh nie an Grundstücksgrenzen halten.
 

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