Meisterstück

Stuttgarter Nachrichten 1999

Eigentlich wäre die Stele mit der aufgelegten Scheibe auch eine ansprechende Grabskulptur. Ausdruck des Lebenskreislaufes und einer fortdauernden Hoffnung. Aber diese Deutung will der Bildhauer David Verstege nicht zulassen. Noch nicht. „Es ist eine Gartenplastik.“

Sein Meisterstück.

Nie hat ihn ein Stein so gefordert, nie war er mit einem derart schicksalhaft verbunden. Es ist ja immer ein schöpferischer Kraftakt, einen rohen Block zum Leben zu erwecken. Aber diesen Kalkstein verwandelte der nun 26 Jahre alte Sillenbucher unter Aufsicht, 14 Tage lang, das ist etwas anderes.

KNITZ hat den jungen Meister besucht, und er erzählte, dass er Schäfer habe werden wollen. Oder Koch. Oder Bildhauer, wie der Vater Reinhard Verstege, dem er als Kind so gern beim Modellieren zuschaute. Er habe gedacht, „der schüttelt das aus dem Ärmel.“ Dann wollte er es genau wissen.

In seinem ersten Meister fand David gleich einen Meister. Der war noch „vom alten Schlag“ und ließ ihn auch frei schaffen. Ebenso prägend war später ein Dombaumeister in Passau, ein schweigsamer Mensch. An der Dombauhütte lernte Verstege das millimetergenaue Arbeiten, „die Kunst des Handwerks.“

Jetzt ist er Meister des Steinmetzen- und Steinbildhauer-Handwerks, darf Lehrlinge ausbilden, könnte sich selbstständig machen – und ist immer noch als Lernender auf der Suche. Es reizen ihn eben auch andere Materialien fürs künstlerische Schaffen, er schaut sich momentan auch im Landschaftsbau um, denn Verstege hat so seine Vorstellungen, wie der Stein mit der Natur in Einklang zu bringen wäre.
 

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