Wie eine Welle

Stuttgarter Nachrichten

Eine Woge. Der Stein gleicht einer Meereswoge.

Kraftvoll steigt sie auf, dann scheint ihr eine unsichtbare Hand Einhalt zu gebieten, und mitten in der Bewegung erstarrt sie zu Granit.

Ein Ring. Der Stein gleicht einem Lebensring.

Für eine lange Wegstrecke umschloss er ein Paar, Mann und Frau, dann nahm der Tod eine Hälfte und ließ einen alten Mann versteinert zurück.

Nun steht er am Grab seiner Frau auf dem Sillenbucher Friedhof, betrachtet das frisch gesetzte Denkmal, das nach seinem Willen so viel ausdrücken soll, ist tief berührt. Ja, in diesem Stein ist alles drin. Des Meeres und der Liebe Wellen, das Auf und Ab des Lebens, das Gemeinsame, der Abschied, das in der Erinnerung Bleibende.

Ein vorbeikommendes älteres Paar sinniert: „Das ist was Besonderes.“ Keine Frage, der neue Stein wird zum Gespräch, zu allerlei Deutungen anregen. Er hat ja schon, als seine Gestaltung noch in weiter Ferne lag, zwei Generationen zusammengeführt.

Den jungen Stuttgarter Bildhauer und Steinmetzmeister David Verstege und den trauernden Mann aus Sillenbuch, der keinen Sinn mehr im Leben sah und einen festen Ort brauchte für sein Aufgewühltsein. „Für das Grabmal hatte er genaue Vorstellungen“, erinnert sich Verstege. „Es sollte etwas Abgebrochenes sein, ein Zeichen, wie ihm seine Frau aus dem Herzen gerissen wurde.“ Im Verlauf der eigentlich fachbezogenen Gespräche blätterte der alte Mann dann sein Leben auf.
 

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